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Literatur

Lesen

Die ersten Geschichten waren solche aus der Bibel, vorgetragen von Pfarrer Lilli im Kindergottesdienst. Der barmherzige Samariter, Die Speisung der Fünftausend und Das Gleichnis von den törichten und den klugen Jungfrauen lehrten mich Nächstenliebe, Jesu unermessliche Liebe und die Vorratshaltung.
Und ein Bilderbuch gab es. Das hieß Hänschen im Blaubeerwald und wurde im Kindergarten vorgelesen, im Stuhlkreis. Hänschen trug einen komischen lila Hut aber das Buch durfte man nicht anfassen. Dann kam die Zeitung. Bruchsaler Rundschau, die hat der Papa immer gelesen. Ich nahm sie mir, setzte mich unter den Küchentisch und fragte meine Mutter, wie die Buchstaben heißen. Vielleicht war das erste Wort, das ich im Jahr 1967 selbst gelesen habe das schwierige Wort Rezession.

Und endlich das erste eigene Buch. Tannenwalds Kinderstube. Es handelte von einem Tannenbäumchen, das sehnsüchtig den Tag erwartet, an dem es als Weihnachtsbaum in der guten Stube erstrahlen darf. Beeindruckend ist daran nur, dass ich es bereits vor der Einschulung gelesen habe. Es muss ziemlich albern gewesen sein.

Pippi Langstrumpf hat mir das Leben gerettet.
In einer Zeit voller Chaos und Krankheit war sie die strahlende, fröhliche, unerschütterliche Heldin, ein Mädchen ohne Furcht und Nadel, sie musste nie in die verhasste Handarbeitsstunde, in der ich mich mit vor Schweiß quietschenden Häkelnadeln abmühte. Pippi war Rebellin, Poetin und  Sportskanone zugleich. Ich träumte davon, nach Schweden zu reisen und mit ihr die Krummeluss zu verspeisen.

Hanni und Nanni wurden beinahe übergangslos von Herrmann Hesse abgelöst und ein paar Jahre später lag ausschließlich John Irving auf dem Nachttisch, der eine umgedrehte Weinkiste war.
Zwischen Hesse und Irving lagen die Werke von Douglas Adams, Peter Paul Zahl und massenhaft Worte in Büchern, die keinen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Nicht ein Titel will mir einfallen, vielleicht weil es so viele waren. Darunter nichts, das annähernd so saftig und kraftstrotzend war wie die Protagonisten in den Romanen von John Irving.
Gab es keinen neuen Irving, habe ich einfach die vorhandenen noch einmal gelesen. Manche Bücher vier, fünf, achtmal. Und jedes Mal mit Gewinn- ich wurde älter dabei, bekam ein Kind und die Aufmerksamkeiten verschoben sich auf andere Aspekte seiner vielschichtigen Geschichten.
Zuletzt ist er ein wenig langatmig geworden.

Peter Schneider habe ich dann noch sehr gerne gelesen und TC Boyle und Nick Hornby und die Autorin, die mich neben Frau Lindgren am meisten beeindruckt hat ist Annette Pehnt. Eine Minimalistin, eine sowohl sensible als auch kühle Beobachterin, sie könnte so etwas wie ein Vorbild werden.
Anne Tyler bereitet mir ebenfalls viel Vergnügen. Sie ist die Meisterin der Tragikomik und ihre Helden berühren die ungenutzten Stellen im Herzen. Das tut manchmal ein bisschen weh.

Es ist immer ein Glücksmoment, wenn man an ein gutes Buch gerät. Ein gutes Buch verändert den Blick auf die Welt. Es eröffnet eine neue Welt in der vorhandenen; unaufdringlich und unausweichlich fügt es etwas hinzu, das zuvor verborgen war. Ein gutes Buch zur rechten Zeit kann heilsam sein oder eine Erweckung oder der notwendige Tritt in den Hintern.

Schreiben

In Schönschrift eine Drei und in Aufsatz eine Eins.
Erörterungen waren nicht so mein Fall, dann schon lieber eine Gedichtinterpretation. Noch lieber schrieb ich selbst welche: Ernsthaftes, knappe Sätze, schade, dass sie nicht erhalten sind.
Tagebücher seit ich neun war, ich schleppte sie überall mit hin, auch das verloren.
Nur ein orangefarbener Hefter aus dünnem, zerfleddertem Karton fand sich wieder, ich war dreizehn und ständig in irgendjemanden verliebt, was sonst?

Dann lange nichts und irgendwann Kindergeschichten. Die ersten wurden umgehend in der Zeitschrift Spielen und Lernen veröffentlicht.

Und jetzt: Mundart und Kurzes und immer noch für Kinder, zwei Jugendromane liegen in der elektrischen Schublade und warten auf Vollendung, vermutlich vergebens.
Ein Familienroman ist in meinem Kopf, ein ganzes Panorama an Szenen und Stimmungen und Tragischem. Vielleicht schreibe ich das auf, wenn ich Rentnerin bin.

Rechtschreibung und Kommaregeln nicht immer perfekt, aber wofür, schließlich, gibt es Lektoren?

Und Dank an André Rösler, an Lukas und den Peter Hammer Verlag. Ohne sie wäre ich nur Möchtegern.